Exportiere nicht die ganze Folge nach Anki. Filtere zuerst eine wiederverwendbare Formulierung, kürze den Kontext, baue einen eindeutigen Abrufhinweis und importiere erst den bereinigten Rest.
Eine Folge ist kein fertiges Anki-Deck. Sonst ist dein nächster Review-Tag einfach Netflix mit Tabellenkalkulation.
Schritt 1: Entscheide zuerst, ob die Zeile überhaupt eine Karte verdient
Beim Schauen ist fast jede unbekannte Formulierung kurz interessant. Das heißt nicht, dass du sie später zwanzigmal wiederholen möchtest.
Wenn du bei mehreren Punkten zögerst: überspringen. Das ist keine verlorene Lernchance. Das ist Qualitätskontrolle.
Card Clinic: KEEP, TRIM oder SKIP?
Die Beispiele hier sind erfunden; sie stammen aus keiner echten Serie.
„The hyperdrive regulator is fractured.“ — seltenes Plot-Wort, du schaust eine Sci-Fi-Serie. KEEP, TRIM oder SKIP?
Meist SKIP. Wenn hyperdrive regulator nur für die Handlung dieser einen Serie relevant ist und du keinen persönlichen Grund hast, das Wort zu lernen, muss es nicht ins Deck.
„I didn’t mean to make things awkward between us after what happened yesterday.“ — du willst make things awkward lernen.
TRIM. Speichere nicht den ganzen Satz. Ein guter Cue wäre etwa „eine Situation unangenehm machen“; Ziel: make things awkward. Optional eine kurze eigene Beispielzeile.
„That’s what I told her.“ — ohne weiteren Kontext.
Nur KEEP, wenn du weißt, was getestet wird. Als bloßer Satz ist die Karte zu offen. Wenn dein Lernziel die Konstruktion That’s what I… ist, baue genau darauf den Cue.
„Can you give me a heads-up next time?“ — du hörst die Wendung häufiger und kannst sie gebrauchen.
KEEP. Zielchunk: give someone a heads-up. Cue: „jemanden vorher kurz informieren/warnen“. Dann baust du deine eigene Situation.
Schritt 2: CONTEXT — behalte nur so viel Szene wie nötig
Serienkontext ist Gold, solange er die Erinnerung auslöst. Er wird Ballast, wenn deine Kartenrückseite zu einem Drehbucharchiv wird.
Für die meisten Karten reichen vier kleine Bausteine:
- Target: die Phrase oder Konstruktion, die du lernen willst;
- Cue: eine kurze Bedeutung, Situation oder Lücke;
- Context: ein sehr kurzer Szenenhinweis wie „jemanden vor einer Änderung warnen“;
- Source/Tags: Serie, Episode oder Funktion – nur wenn dir das später beim Sortieren hilft.
Der Serienname ist Gedächtnisstütze, nicht die eigentliche Antwort.
Schritt 3: CUE — mache die Vorderseite beantwortbar
Schlechte Vorderseite: heads-up. Was sollst du damit tun? Übersetzen? Definieren? Einen Satz bauen? Die Karte weiß es selbst nicht.
Besser:
- Deutsch → Englisch: „jemanden vorher kurz informieren“ → give someone a heads-up
- Situation → Phrase: „Du willst einen Kollegen bitten, dich nächstes Mal vorher zu informieren.“ → Can you give me a heads-up next time?
- Lücke: „Can you give me a ___ next time?“ → heads-up
Wähle pro Karte einen Job. Wenn die Karte fünf Dinge gleichzeitig prüft, weißt du bei einem Fehler nicht einmal, was eigentlich kaputt war.
Schritt 4: ANSWER — speichere eine Formulierung, die du wirklich verwenden willst
Die Rückseite darf mehr enthalten als die nackte Antwort, aber die Kernantwort muss sofort sichtbar sein. Beispiel:
Antwort: give someone a heads-up
Kurz erklärt: jemanden vorher informieren oder warnen
Register: informell bis neutral
Eigene Zeile: Give me a heads-up if the meeting time changes.
Warum du deine eigene Beispielzeile prüfen solltest
Angenommen, du schreibst auf deine Karte: “I look forward to meet you.” Das ist in dieser Standardkonstruktion falsch. Ein Hörer versteht wahrscheinlich, dass du dich auf ein Treffen freust; natürlich lautet es “I look forward to meeting you.” Nach look forward to folgt hier ein Nomen oder eine -ing-Form. Die falsche Version ist nicht plötzlich richtig, nur weil sie auf einer hübschen Karte steht.
Schritt 5: TAG — Quelle und Funktion statt Tag-Suppe
Tags sind nützlich, wenn sie später eine Entscheidung ermöglichen. Beispiele:
series::invented-examplefunction::warningregister::informalstatus::active
Du brauchst nicht gleichzeitig cool_phrase, netflix, episode, english, vocab, important und very_important. Anki ist kein Gewürzregal.
So baust du eine Importdatei für Anki
Anki kann laut offiziellem Handbuch einfache Textdateien mit getrennten Feldern importieren; die Datei sollte die dokumentierten Textimport-Anforderungen erfüllen, darunter UTF-8. Spalten können beim Import Feldern deiner Note zugeordnet werden, einschließlich Tags. Anki-Handbuch: Textdateien importieren.
Eine einfache Tabellenspalten-Struktur könnte so aussehen:
| Front | Back | Context | Tags |
|---|---|---|---|
| jemanden vorher kurz informieren | give someone a heads-up | plan changes | function::warning series |
| etwas unangenehm machen | make things awkward | social situation | function::social series |
Das ist nur ein praktisches Template, keine von Anki vorgeschriebene Felderstruktur. Anki lässt dich beim Import die Spalten deinen vorhandenen Feldern zuordnen.
Import: technisch simpel, wenn du vorher aufgeräumt hast
- Erzeuge eine bereinigte CSV-, TSV- oder andere unterstützte getrennte Textdatei.
- Öffne in Anki den Import-Dialog. Das aktuelle Handbuch beschreibt den Import über File → Import. Anki-Handbuch: Importing.
- Prüfe im Vorschauschritt den Feldtrenner und ordne die Spalten den gewünschten Note-Feldern zu.
- Kontrolliere besonders Vorderseite, Rückseite und Tags, bevor du den ganzen Stapel importierst.
Der Importknopf ist nicht der spannende Teil. Die Qualität der Zeilen davor ist der spannende Teil.
Kannst du Audio oder Bilder mitnehmen?
Ja, Ankis offizielles Handbuch beschreibt auch Medienreferenzen in Textimporten. Die Mediendateien müssen entsprechend der dokumentierten Regeln verfügbar sein; für Audio verwendet Anki zum Beispiel Referenzen wie [sound:datei.mp3]. Anki-Handbuch: Medien beim Textimport.
Das bedeutet aber nicht, dass jede Streaming-Plattform dir automatisch saubere, legal wiederverwendbare Audioausschnitte liefert. Diese Frage ist getrennt vom Anki-Import. Wenn du keine verlässliche Audioquelle hast, bau zunächst eine gute Textkarte.
Die Fünf-Karten-Challenge
Nimm eine Folge und erlaube dir zunächst maximal fünf neue Kandidaten. Das ist eine praktische Bremse, keine wissenschaftlich optimale Zahl.
- Wähle fünf Zeilen oder Chunks.
- Baue für jede einen eindeutigen Cue.
- Versuche die Karten einmal ohne die Szene.
- Lösche oder repariere jede Karte, bei der du rätseln musst, was eigentlich gefragt ist.
Eine Karte zu löschen ist kein Rückschritt. Eine schlechte Karte fünfzigmal zu wiederholen ist der Rückschritt mit Terminplan.
Wo FunFluen in diesen Workflow passt
Wenn du mit Untertiteln auf unterstützten Videoseiten lernst, kann FunFluen beim Sammeln vor Anki helfen: wenige nützliche Items mit Kontext speichern, gespeicherte Einträge später bereinigen und verfügbare Daten für Offline- oder Anki-artige Wiederholung exportieren.
Der wichtige Teil bleibt derselbe: erst filtern, dann exportieren. Exportformate und erweiterte Saved-Item-Funktionen können von Konto, Zugriff und vorhandenen Daten abhängen; eine automatische direkte Anki-Synchronisierung wird hier nicht versprochen.
FunFluen-Erweiterung für den Serien-zu-Karten-Workflow ansehen.
Soll jedes unbekannte Wort eine Karte werden?
Nein. Ein unbekanntes Wort kann für genau diese Szene wichtig und für dein aktives Englisch völlig unwichtig sein. Speichere es, wenn es wiederkehrt, dein Verständnis blockiert oder für dich persönlich nützlich ist.
Wie viel Kontext gehört auf die Karte?
Genug, damit die kommunikative Situation klar wird; wenig genug, damit du nicht die Lösung aus einem halben Absatz abliest. Wenn du zum Beantworten die gesamte Szene brauchst, ist der Cue noch nicht gut.
Welche Kartenform ist die beste?
Es gibt nicht eine universelle Siegerkarte. Für feste Chunks funktioniert eine Bedeutungs- oder Situationsabfrage oft gut; für ein bestimmtes Wort in einer stabilen Phrase kann eine Lücke sinnvoll sein. Entscheidend ist, dass du weißt, was geprüft wird.
Fazit: Erst verdient die Zeile ihre Karte, dann bekommt sie einen Import
Die schlechteste Serien-zu-Anki-Pipeline lautet: alles exportieren → alles importieren → später bereuen. Die bessere lautet: KEEP → CONTEXT → CUE → ANSWER → TAG.
Wenn du nach einer Folge nur drei Karten hast, die du in echten Gesprächen wiedererkennen oder benutzen kannst, ist das kein magerer Export. Das ist ein Deck mit weniger Gerümpel.